Lohnt sich eine Wärmepumpe im Altbau?
Meistens ja. Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern die Vorlauftemperatur, mit der dein Haus an einem kalten Tag warm wird. Unter 55 °C funktioniert es wirtschaftlich — und diesen Wert kannst du selbst messen, ohne Fachbetrieb.
Die einzige Zahl, die wirklich zählt
Nicht das Baujahr, nicht der Energieausweis, nicht die Dämmstärke: die Vorlauftemperatur an einem kalten Tag.
Eine Wärmepumpe wird umso effizienter, je niedriger die Temperatur ist, auf die sie das Heizwasser bringen muss. Jedes Grad weniger Vorlauf verbessert die Jahresarbeitszahl um etwa 2 bis 2,5 %. Deshalb ist die Frage nicht, ob dein Haus alt ist, sondern mit wie wenig Grad es warm wird.
Jahresarbeitszahl über 4,0 realistisch. Meist Fußbodenheizung oder großzügige Heizkörper.
Der Normalfall im teilsanierten Altbau. Jahresarbeitszahl 3,0 bis 3,8.
Jahresarbeitszahl unter 2,5 — dann zuerst Heizflächen vergrößern oder eine Hybridlösung prüfen.
Der Selbsttest: kostet nichts, dauert ein Wochenende
Warte einen kalten Tag ab — idealerweise unter 0 °C. Öffne alle Thermostatventile vollständig. Senke dann an der Heizungsregelung die Vorlauftemperatur in Schritten von 5 °C ab und warte nach jeder Stufe einen halben Tag.
Der niedrigste Wert, bei dem alle Räume noch warm werden, ist deine Antwort. Notiere ihn. Diese Zahl ist im Beratungsgespräch mehr wert als jedes Gutachten — und sie schützt dich vor einer überdimensionierten Anlage.
Viele Hausbesitzer sind überrascht: Heizkörper aus den 1970ern wurden oft für 70 °C ausgelegt, sind aber so großzügig dimensioniert, dass 50 bis 55 °C in der Praxis reichen.
Die sinnvolle Reihenfolge
Von günstig und wirksam nach teuer und optional. In dieser Reihenfolge, nicht umgekehrt.
Sorgt dafür, dass jeder Heizkörper die Wassermenge bekommt, die er braucht. Senkt die nötige Vorlauftemperatur oft um mehrere Grad und ist ohnehin Voraussetzung für die Förderung.
Meist sind es zwei oder drei Räume, die bei niedrigem Vorlauf nicht mitkommen. Ein größerer Heizkörper oder ein Modell mit Ventilator löst das — deutlich günstiger als eine Fußbodenheizung.
Die wirksamste Dämmmaßnahme pro Euro. Nach oben geht die meiste Wärme verloren, und ein Dachboden ist ohne Gerüst zugänglich.
Wirkt, rechnet sich aber wegen der Wärmepumpe allein fast nie. Sinnvoll, wenn es ohnehin ansteht — nicht als Vorbedingung.
Heizkörper statt Fußbodenheizung: geht das?
Ja. Der häufigste Irrtum rund um Wärmepumpen ist, dass es eine Fußbodenheizung braucht. Entscheidend ist die Größe der Heizfläche im Verhältnis zum Wärmebedarf des Raums, nicht ihre Bauart. Ein ausreichend großer Heizkörper erreicht niedrige Vorlauftemperaturen genauso.
Die Feldstudien des Fraunhofer ISE zeigen, dass auch unsanierte Bestandsgebäude mit normalen Heizkörpern erfolgreich mit Wärmepumpen beheizt werden.
Der Austausch einzelner Heizkörper ist förderfähig und kostet einen Bruchteil einer Fußbodenheizung.
Heizkörper reagieren schneller als Fußbodenheizungen — angenehm in Räumen, die nicht durchgeheizt werden.
In Räumen mit großen Fensterflächen und wenig Wandfläche kann der Platz für einen größeren Heizkörper fehlen.
Gusseiserne Altbauheizkörper sind oft überdimensioniert und damit im Vorteil — dünne Plattenheizkörper aus den 1990ern eher nicht.
Ein Heizkörper mit Ventilator (Niedertemperatur-Konvektor) löst enge Fälle, braucht aber Strom und macht leise Geräusche.
Kosten im Altbau
| Position | Typischer Betrag |
|---|---|
| Luft-Wasser-Wärmepumpe komplett | 28.000 – 38.000 € |
| Hydraulischer Abgleich | 500 – 1.200 € |
| 2 – 3 Heizkörper tauschen | 900 – 2.400 € |
| Entsorgung Altanlage (Gas) | 500 – 1.200 € |
| KfW-Förderung bei 46 % | – 12.880 € |
| Eigenanteil | ca. 17.000 – 30.000 € |
Für ein teilsaniertes Einfamilienhaus mit 140 m². Bei Einkommensbonus sinkt der Eigenanteil deutlich — bis zu 22.400 € Zuschuss sind möglich.
Häufige Fragen
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